Hungergefühle 3: Geschichtliches

      Das eigentliche Problem der Übergewichtigen liegt darin, dass diese Vielesser keine blasse Ahnung haben, was genau sie eigentlich immer so hungrig macht . Das <AIKF> will hier etwas zur Lösung dieser Frage beitragen. Es soll anhand der zwei Begriffe  Fett-Eiweiss-Sättigung und Kohlenhydrat-Sättigung unter anderem erklärt werden, wie solche unerwünschten Hungergefühle zustande kommen.
       
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Hungergefühle 3: Geschichtliches

A) Was bedeutet die Existenz zwei verschiedener Sättigungsarten? Die Fett-Eiweiss-Sättigung und die Kohlenhydrat-Sättigung: Diskussion:

Einer der grossen Unterschiede der Fett-Eiweiss-Sättigung und der Kohlenhydrat-Sättigung ist der, dass die Fett-Eiweiss-Sättigung viel länger anhält, als die Kohlenhydrat-Sättigung. Der Blutspiegel des Hormons Glukagon sinkt ganz langsam über viele Stunden wieder in den basalen Bereich, also in den Nüchternbereich. Im Gegensatz dazu ist die Kohlenhydrat-Sättigung ziemlich genau auf drei Stunden beschränkt. Ein zweiter Unterschied ist der, dass der frisch eintretende Hunger nach einer Fett-Eiweiss-Mahlzeit viel moderater und aushaltbarer ist. Und der Hunger nach einer Kohlenhydrat-Mahlzeit ist stärker. Und das schon nach drei Stunden nach der letzten Kohlenhydrat-Mahlzeit. Viele Menschen werden von einem richtigen Heisshunger geplagt, wenn sie nach drei Stunden wieder Kohlenhydrat-Nachschub benötigen.

Woher kommen die Unterschiede in den Sättigungsarten?

     

 

B) Der STILLRHYTHMUS: Entwicklungsgeschichtliche Betrachtungen:

Am besten verstehen wir diese eklatanten Unterschiede der Sättigung nach einer reinen Kohlenhydrat-Mahlzeit bzw. nach einer reinen Fett-Eiweiss-Mahlzeit, wenn wir die individuelle Entwicklung des Menschen berücksichtigen. Der wenige Monate alte Mensch, der Säugling, ist entwicklungsgeschichtlich gesehen, noch ein echter Kohlenhydrat-Esser bzw. ein Kohlenhydrat-Trinker. Er oder sie kriegt die Kohlenhydrate in Form von Milchzucker in der Muttermilch. Ein Säugling schläft nun nach der Stillung praktisch regelmässig ein. Dann ist er oder sie eben still geworden. Aber nach drei Stunden nach der letzten Stillung sollte der Säugling schon wieder Hunger verspüren. Und das massiv. Es darf nicht sein, dass der Säugling ruhig liegen bleibt und sich quasi sagt, ich bin doch noch zu faul um aufzuwachen und zu schreien. Wieso darf das nicht sein. Weil die Mutter des Säuglings, oder besser gesagt, deren Milchdrüsen, in diesen verflossenen drei Stunden wieder genug,  also eine bzw. zwei volle Portionen Milch produziert haben. Werden diese Milchlager nicht in regelmässigem Rhythmus wieder geleert, geht die Milchproduktion automatisch langsam zurück. Das darf aber nicht sein, aus längerfristiger Sicht des Säuglings.

Diese Symbiose zwischen Mutter und Säugling wird als Stillzeit bezeichnet. Hormonell wird das also so gesteuert, dass der Säugling nach der Stillung jeweils sehr müde ist und schläft und dann nach drei Stunden wieder Hunger verspürt. Und man muss sich im Klaren sein, dass der Hunger des Säuglings massiv ist. Es ist eine Art Hungerschmerz. Dieses Hungerschmerzgefühl ist stark und veranlasst den Säugling zu schreien. Er oder sie schreit vor lauter Schmerz. 

    

 

C) Vergleich von Kohlenhydrat-Mahlzeiten von Erwachsenen und Still-Mahlzeiten von Säuglingen:

Die Reaktion Erwachsener nach Kohlenhydrat-Mahlzeiten lässt sich durchaus vergleichen mit der Reaktion von Säuglingen nach dem Stillen. Der Kohlenhydrathunger ist der Hunger "nach" Kohlenhydraten in doppeltem Sinne. Ein Kohlenhydrathunger ist die Art des Hungerns eines üblicherweise viel Kohlenhydrate verzehrenden Menschen, also ein Hunger nach (zeitlich) der letzten Kohlenhydratmahlzeit. Aber ebenso ist Kohlenhydrathunger auch der Hunger nach, die Lust nach, weiteren Kohlenhydraten. Typisch für die Kohlenhydrat-Mahlzeit ist also, dass man nach einer KH-Mahlzeit oft müde ist (Säuglingsmüdigkeit) und dass man nach drei Stunden bereits wieder massiven Hunger verspürt, gleich wie der Säugling im Stillrhythmus.

Der "Fünf-Mahlzeiten-Rhythmus", der sich bei uns kulturell bedingt eingespielt hat, ist in diesem Sinne nichts anderes als die Reproduktion des Stillrhythmus. Der "Fünf-Mahlzeiten-Rhythmus" macht eigentlich nur dann Sinn, wenn man hauptsächlich von Kohlenhydraten lebt. Der "Fünf-Mahlzeiten-Rhythmus" besteht aus Frühstück, 9-Uhr-Zwischenimbiss (Znüni), Mittagessen, 4-Uhr-Zwischenimbiss (Zvieri, Vesper), und Nachtessen. Und manche Leute brauchen auch noch den Mitternachts-Imbiss als zusätzliche Mahlzeit. Geschichtlich betrachtet hat sich der Fünf-Mahlzeiten-Rhythmus erst eingespielt, als unsere Vorfahren sesshaft wurden und eben Kohlenhydrate in Form von Getreide (Brot), Reis oder Mais oder Kartoffeln anpflanzten. Der Fünf-Mahlzeiten-Rhythmus ist daher typisch für die sesshaften Ackerbauern.

     

 

D) Die Fett-Eiweiss-Mahlzeit oder Erwachsenen-Mahlzeit:

Die Fett-Eiweiss-Ernährung oder Erwachsenen-Ernährung spielte in derjenigen Zeit, als der Mensch noch Sammler und Jäger war, die wichtigste Rolle (vorgeschichtliche Zeit). Jäger und Sammler kannten den "Fünf-Mahlzeiten-Rhythmus" nicht. Der Mensch war, was die Ernährung betrifft, erwachsener und flexibler als der heutige Mensch. Denn das Jagen und das Sammeln musste immer der Jahreszeit, der Saison, angepasst werden. Da hatte man noch nicht die Vorräte für geregelte Essenzeiten. Es musste dann gegessen werden, wenn etwas zum Essen vorhanden war. Kohlenhydrate, Brot, Reis, Mais, Teigwaren und natürlich auch Zucker kannte man dazumal noch nicht. Mahlzeiten waren vornehmlich Fett-Eiweiss-Mahlzeiten (erlegte Tiere, Fische, Vögel), aufgelockert durch Früchte und vielleicht Wurzeln.

Der vorgeschichtliche Mensch war durch die Fett-Eiweiss-Ernährung viel ausdauernder und angepasster an das Leben in der Steppe und auch in kalten Regionen. Mit
der Härte der dazumaligen Lebensumstände konnte nur ein angepasster Mensch überleben. Und zur Anpassung gehörte auch, regelmässig längere Fastenzeiten zu überstehen. Für einen reinen Fett-Eiweiss-Esser ist Fasten überhaupt kein Problem. Denn ein Fett-Eiweiss-Esser kennt wie der Faster keine Hungerattacken. Beim reinen Fett-Eiweiss-Esser wie auch beim Faster ist das Hungergefühl nie sehr intensiv und hindert absolut nicht bei der Erfüllung der täglichen Arbeitsaufgaben.

Merke also vor allem:
Die Hungergefühle des Fett-Eiweiss-Essers sind viel moderater als die Hungergefühle (= Hungerattacken) des Kohlenhydrat-Essers

    

 

<AIKF> Dezember 2005

   

     

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